Hallo
Ich bin Student einer Ingenieurswissenschaft und im Grunde genommen auch sehr gut, also habe bisher alle Prüfungen bestanden und es gibt nicht mehr viel was noch aussteht im Studium.
Das Problem, welches ich momentan habe, ist dass mir so n bisschen der Drive fürs Leben fehlt. Irgendwie scheint vieles einfach nur öde zu sein. Im Prinzip habe ich so viel erreicht die letzten fast 6 Jahre. Ich war nach dem Abitur eigentlich total kapput. Da hab ich mich dann dafür entschieden mir meine Probleme einzugestehen und daran zu arbeiten. Hat alles so extrem viel gebracht und ich hab auch wieder viel mehr Selbstbewusstsein entwickelt. Bin momentan im Ausland und bekomm es sogar ganz gut hin hier auf eigenen Füßen zu stehen. Hatte n paar interessante Erlebnisse, die mich um einiges weiter gebracht haben im Leben. Momentan scheint nur wieder so etwas wie der graue Alltag zurückzukehren.
Was für mich so n bisschen das Problem ist ist, dass ich das Gefühl habe überhaupt noch nicht wirklich zu wissen, wer ich denn eigentlich bin und was ich genau vom Leben will? Der Ingenieursberuf ist heutzutage auf jeden Fall was Tolles denk ich mal, denn Ingenieure sind einfach gesucht bei der schlechten Lage am Arbeitsmarkt momentan. Trotzdem hab ich da bisher noch nicht wirklich mein Gebiet gefunden, wo ich denke, dass ich mich in Zukunft damit beschäftigen möchte.
Mir fehlt halt auch irgendwie die Motivation nach einiger Zeit Studium, weshalb ich hier im Ausland erstmal n bisschen ne Auszeit genommen habe um wieder mehr zu mir selbst zu kommen. Meine Eltern sagen es nie so direkt, aber irgendwie hab ich das Gefühl, dass sie schon sehr von mir erwarten, dass ich mein Leben auf die Reihe bekomm. Ich persönlich hab halt das Gefühl, dass ich mir noch unbedingt Zeit für mich selbst nehmen möchte, bevor ich dann irgendwann Schwupp die Wupp nen Job beginne. Vom Typ her bin ich kein besonderer Karrieremensch. War ich früher als Kind mal und dachte, dass Geld im Leben eines der wichtigsten Dinge ist. Heutzutage kommt mir materielles eher sehr unwichtig vor und ich bin zu dem Schluss gekommen, dass es sehr wichtig ist, wie man mit sich selbst und andern Menschen umgeht. Etwas, das ich früher als Kind eher weniger beachtet habe, muss ich zugeben. Ich hab halt so n bisschen Angst, dass bei mir der Schuss in ein eigenständiges Leben total nach hinten los geht. Theoretisch hätte ich immer noch meine Familie als Backup, wenn sozusagen irgendetwas extrem in die Hose geht. Ich glaub aber, dass die übelst enttäuscht wären, wenn der eigene Sohn auf einmal wieder auf der Matte stehn würde.
Ich hätte halt gern einfach etwas in mir drin, wovon ich das Gefühl habe, dass es sich dafür wirklich zu leben lohnt. Als Kind hatte ich ab und zu solche Dinge. Ich hatte verschiedene Interessen, z.B. Dinosaurier, Astronomie, Computer. Jetzt fühl ich mich aber eher leer und etwas orientierungslos. Ich hab die Angst, dass wenn ich mich wieder auf irgendwelche Interessen stürzen würde, all das, was ich an neuen Persönlichkeitsmerkmalen mir aufgebaut habe, wieder zurückschrumpfen würde. Für mich fühlt es sich einfach so an, dass es sich lohnt weiter an meiner Persönlichkeit zu arbeiten. Ich denke halt nen Job kann man später auch mal wechseln, aber die eigene Persönlichkeit wird immer schwerer zu verändern je älter man wird. Fällt mir aber schwer diesen Tatbestand Leuten da draußen wirklich klar zu machen. Ich hab früher immer extrem Rücksicht darauf genommen andere Menschen nicht zu verletzen und hatte dadurch das Gefühl mehr oder weniger ein profilloses schwaches etwas zu werden. Jetzt bin ich eben so weit, dass ich auch mal meine Meinung sage. Achja, da spielen jetzt grad so viele Dinge mit rein und ich weiß einfach nicht, was mir am Wichtigsten dabei ist.
cu
alexus


